Der Justiz-Skandal am Peinlichen Gericht zu Giessen

„Ausführliche Relation von der famosen Ziegeuner-Diebs- Mord- und Rauber-Bande“ (1727) von Dr. jur. Johann Benjamin Weissenbruch in einer kommentierten Überarbeitung

Landgraf Ernst Ludwig von Hessen beauftragte 1726 den Gerichts-Assessor am „Peinlichen Gericht“ zu Giessen, Dr. Weissenbruch, über den noch laufenden Prozess gegen die „famose Ziegeuner- Diebs- Mord- und Rauberbande“ ein Buch zu verfassen. Den Beschuldigten wurden mehrere Morde, Raub- und Diebstahlsdelikte sowie „Vergewaltigungen“ angelastet, die zwischen 1718 und 1725 in weiten Teilen Hessens verübt worden waren. Gegen einige der Angeklagten wurde ausdrücklich die Folter in allen Graden zugelassen, den anderen wurde mit Folter gedroht, sofern sie nicht gestehen würden. Der Prozess endete am 14. und 15. November 1726 mit der Hinrichtung von 25 der ursprünglich 28 vermeintlich allesamt eindeutig überführten Roma: Die 5 „Haupttäter“ wurden gerädert, 9 endeten am Galgen und 11 (darunter 8 Frauen) wurden mit dem Schwert enthauptet. Die damaligen Gerichtsakten gelten als untergegangen. Weissenbruchs Buch nährt aus Sicht d. Hg. angesichts der heutigen Rechtsprechung berechtigte Zweifel, ob die 25 hingerichteten Roma im Sinne der Anklage schuldig waren: Offenbar hatte das Gericht den Prozess so geführt, wie es geglaubt hatte, dass es „von oben“ gewünscht war; und der Landgraf – außer in 3 Fällen – der ihm vorgelegten „Beweiskette“ vertraut. So versteht sich diese kommentierte Überarbeitung von Weissenbruchs Werk als Denkanstoß, ob mit rund 300 Jahren Verspätung als symbolische Geste eine ,Rehabilitierung’ angezeigt sein könnte.

ISBN: 978-3-938098-65-3
Ladenpreis: € 14,80
Nordstrand 2011

Medienresonanz zu diesem Buch

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